Energiegarten® e.V.

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VON DER KULTUR NEUER BILDER

Gärten aus nachwachsenden Rohstoffen als Teil des Landschaftsbildes

von Horst Schumacher


Angesichts der Endlichkeit fossiler Brennstoffe und der internationalen Klimaschutzvereinbarungen soll der Anteil der regenerativen Energien in den kommenden 5 Jahrzehnten europaweit von derzeit etwa 5% auf 50% steigen. Wird dieses Ziel erreicht, wirken sich die unterschiedlichsten Anlagen zu dieser Art der Energiegewinnung zukünftig weit mehr auf unser Landschaftsbild aus, als das heute der Fall ist.
Bislang lag der Schwerpunkt der Forschung auf der wirtschaftlichen Tragfähigkeit und der technischen Weiterentwicklung. Landschaftsgestalterische Aspekte blieben weitestgehend unberücksichtigt.

Der Energiegarten e. V.
1 setzt sich für neue qualitative Kriterien bei der Umstrukturierung der Kulturlandschaften ein. Er hat es sich zum Ziel gemacht, regenerative Energien und nachwachsende Rohstoffe in sogenannten Energiegärten® „anzubauen und zu ernten“. Die Neuartigkeit besteht in der räumlichen Kombination verschiedener regenerativer Energieträger und nachwachsender Rohstoffe in Verbindung mit einem hohen Gestaltungsanspruch.

Wenn mit Energiegärten eine neue „culture of energy“ verbunden werden soll, bedarf es geeigneter Bilder, die denen vom Garten auch weiterhin entsprechen. Der Energiegarten e.V. will beratend mitwirken, Anlagen zur Erzeugung regenerativer Energie in neue Landschaftsbilder zu integrieren. Wie in den historischen Kulturlandschaften geht es erneut um die Frage, wie die Kombination von einer ökonomischen, nachhaltigen Bewirtschaftung mit einer qualitätvollen Gestaltung die Basis für ein hochwertiges, touristisch attraktives Landschaftsbild werden kann.
Das trifft beispielsweise für die Bergbaufolgelandschaft in der Lausitz zu, wo die derzeitige Internationale Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land Zeichen für das vor uns liegende Jahrhundert setzen will. Die IBA hat in ihrem Bericht der Strategischen Kommission
2 die Idee vom Energiegarten als zentrales Programmziel aufgenommen und will nun an der Realisierung konkreter Modellanlagen mitwirken.
Der Energiegarten e.V. ist in diesen Prozess eingebunden. Nach einer Potenzialanalyse der Arbeitsgemeinschaft Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (Berlin), Ingenieurbüro Kuntzsch (Dresden), BTE-Tourismusmanagement wurden geeignete Standorte in der Region gefunden, vor allem im Bereich der Tagebaufolgelandschaften Jänschwalde, Welzow und Meuro.
Ein favorisierter Standort ist ein Areal innerhalb der geplanten Tourismuslandschaft der Lausitzer Seenkette. Am zukünftigen Überleiter zwischen Ilsesee und Sedlitzer See in der Nähe von Sedlitz hat ein Energiegarten mit Schwerpunkt Biomasseproduktion und -nutzung reelle Chancen.
Auf der etwa 180 ha großen Fläche soll energetisch genutzte Biomasse heranwachsen. Eine Kombination aus streifenförmig angeordneten Kurzumtriebsplantagen (30%) und Dauerkulturen (70%) mit Energie- und Rohstoffpflanzen in Fruchtfolge unterstützt technische und wirtschaftliche Aspekte der Produktion und führt zu einer polystrukturierten abwechslungsreichen Landschaft.
Da die Gehölzplantagen in alternierenden Zyklen geerntet werden, stellt sich langfristig ein differenziertes Biomasse-Höhenrelief ein. Ein dynamisches Landschaftsbild mit wechselnden Perspektiven und Blickbeziehungen entsteht.
Die Anlage ergänzen Architekturelemente wie ein Blockheizkraftwerk, Speichergebäude und Hochsitze; Wege erschließen das Gebiet. Feldgehölzinseln ergänzen den Erlebniswert ebenso wie sie Naturschutzinteressen gerecht werden. Eine einzelne Windenergieanlage mit integrierter Aussichtsplattform könnte als Belvedere und Landmarke für den benachbarten schiffbaren Überleiterkanal dienen.
Die Ergebnisse der Potenzialanalyse wurden von den Auftraggebern, den ansässigen Landwirten und den am Planungsprozess beteiligten Trägern öffentlicher Belange positiv aufgenommen - mit der Perspektive, nun die Realisierung der Modell-Projekte in der Lausitz voranzutreiben.

1 Zur Idee und Wirken des Energiegarten e. V. vgl. www.energiegarten.de
2 Bericht der Strategischen Kommission; IBA-Fürst-Pückler-Land (Hg.), 2000


Artikel aus:
Garten + Landschaft - Zeitschrift für Landschaftsarchitektur
Ausgabe: 03/2002, Seite: 40